Zwei Sichtweisen - Eine Lösung

110 Zuschauer interessierten sich für die Ultra-Entwicklung

Knapp zwei Stunden diskutierten Vertreter der DFL, der Polizei, des Fanprojektes, Fanforscher Jonas Gabler und der Werder-Präsident über die Zukunft der Ultrakultur in Bremen (Foto: WERDER.DE).
Fankurve
Donnerstag, 25.01.2018 // 15:45 Uhr

Die Ultra-Szene hat in den letzten Jahrzehnten einen Wandel vollzogen. Die eigentliche Bewegung kommt aus Italien, die „Tifosi“ galten dort lange Zeit als Stimmungsmacher in den Stadien. Politikwissenschaftler, Fanforscher und Autor Jonas Gabler kennt sich aus in der Ultra-Szene. „Seit 2010 differenziert sich die Ultra-Kultur immer weiter aus. Verschiedene Mentalitäten und Schwerpunktsetzungen der Gruppierungen erschweren eine Konsensfindung“, so Gabler in seinem Vortrag über die Entwicklung der Ultrakultur.

Die gewaltbereiten Fans, auch als "Hooligans" bezeichnet, erhalten seiner Meinung nach in jüngster Vergangenheit einen Bedeutungszuwachs an einigen Standorten: „Ein Teil der Szene hat sich schlichtweg radikalisiert. Daran haben Institutionen wie Polizei, Politik, Verbände, Medien und teilweise auch die Vereine ihren Anteil.“ Laut Gabler gibt es durchaus problematische Entwicklungen in der Ultraszene. Es sei wichtig, zu begreifen, dass „es Reaktionen auf den Umgang mit der Szene seitens der Institutionen gab, die nicht immer positiv ausfielen. Nun gilt es, diese gegenseitige, negativ behaftete Wahrnehmung zu durchbrechen. Es müssen andere Impulse gesetzt werden“, so Gabler. Die Verantwortung tragen beide Seiten. Die Institutionen müssen sich darüber im Klaren sein, dass der Umgang mit Ultragruppierungen viel Fingerspitzengefühl bedarf. Die Ultras dagegen haben eine Verantwortung für ihre eigene Kultur, die es zu erfüllen und zu wahren gilt.

Gabler brachte dem Publikum die Entwicklung der Ultra-Szene näher (Foto: WERDER.DE).

Die darauffolgende Talkrunde bot viel Diskussionsstoff. Neben Werders Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald nahmen Gabler, Michael Gabriel (Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte), Thomas Schneider (Leiter der Abteilung Fanangelegenheit bei der DFL), Andreas Löwe (Einsatzleiter Fußball der Polizei Bremen) und der Moderator Ronny Blaschke an der offen geführten Diskussion teil.
Werders Präsident lobte vor allem die Fanbetreuung und das Fanprojekt Bremen e.V. für die herausragende Arbeit, die sie im Umgang mit den insgesamt acht Ultragruppierungen zeigen. „Es ist wichtig, solche Abteilungen innerhalb, aber auch außerhalb des Vereins zu haben, um in ständigem Austausch mit den Ultras zu sein. Wir versuchen die Dinge mit einer positiven Herangehensweise zu beurteilen. Wir brauchen die Unterstützung der Ultras. Sie sind ein überaus wichtiger Teil der Fanszene“, so Hess-Grunewald.

Andreas Löwe - seines Zeichens neuer Einsatzleiter Fußball der Polizei Bremen - vertritt eine andere Sichtweise. Er würde sich wünschen, dass die Ultragruppen mehr Interesse daran zeigen würden, den Dialog mit der Polizei zu suchen. „Wenn man als Fan oder Zuschauer etwas feststellt, kann man sich an uns wenden. Das ist Teil unserer Einsatzstrategie. Unser Fankontakt ist an Spieltagen jederzeit vor Ort und ansprechbar“, sagte Löwe.
Zum Thema Polizeieinsätze äußerte sich Werders Präsident wie folgt: „Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir hier in Bremen eine Polizeiführung haben, mit der wir auch in kritischen Momenten belastbar diskutieren können. Die Vorfälle in der Vergangenheit haben gezeigt, dass auch die Ultras nicht alles richtig gemacht haben. Wir werden weiterhin eng mit der Bremer Ultra-Szene, aber auch mit der Polizei arbeiten, um die Anzahl der Vorfälle im und am Bremer Weser-Stadion zu minimieren.“
In naher Zukunft wird es weitere Gespräche geben. Das Ziel aller Beteiligten ist es, gemeinsam eine Lösung zu finden. Eine Lösung, die alle Parteien zufrieden stellt.